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Der Kalorien-Mythos

Eine der uns von unseren Kunden am häufigsten gestellten Fragen lautet: „Wie viele Kalorien haben eure Säfte?“ Denn jeder weiß, dass man Kalorien einsparen muss, um erfolgreich abzunehmen, oder präziser formuliert, weniger Kalorien zu sich nehmen darf, als der Körper verbraucht. So lautet jedenfalls die klassische Formel für den Abnehmerfolg. Aber stimmt das so wirklich? 

Nun, ja und nein. Die einfache Gleichung ist per se zwar richtig, denn wenn unser Körper weniger Energie in Form von Nahrung zugeführt bekommt, als er eigentlich benötigt, beginnt er unweigerlich, körpereigene Reserven zu mobilisieren. So verlieren wir Gewicht. Der Haken daran ist die Messgröße „Kalorien“, denn diese ist äußerst irreführend. Den Kaloriengehalt und -verbrauch zu berechnen, ist nämlich eigentlich eine recht komplizierte Angelegenheit. Für den Verbraucher wurde das Thema aber stark vereinfacht und Kalorien egal aus welchem Lebensmittel einander gleichgesetzt: Eine Kalorie ist und bleibt demnach eine Kalorie – so daher auch die weit verbreitete Auffassung – egal, ob sie in einem Donut, oder in einem Stück Brokkoli steckt. Und genau an dem Punkt hinkt das Prinzip Kaloriengleichheit gewaltig: Denn ein kleines Stück Donut hat nun mal nicht den gleichen Effekt auf unseren Körper wie eine riesige Portion Brokkoli, auch wenn die Kalorienmenge übereinstimmen mag. Der Unterschied liegt auf der Hand:

  • Ein großer Brokkoli liefert wichtige Vitamine und Ballaststoffe, füllt mit viel Volumen den Magen und macht so auch richtig satt.
  • Das kleine Stück Donut ist im wahrsten Sinne des Wortes etwas für den hohlen Zahn. Statt lange satt zu machen, steigert es eher die Lust auf mehr, denn es lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und kurz darauf wieder drastisch abfallen, wodurch Heißhunger entsteht). Gute Nährstoffe sind kaum enthalten, daher spricht man hier von den sogenannten „leeren“ Kalorien.

Ungeachtet dessen basieren viele Ernährungsweisen oder Diäten (wie z.B. WeightWatchers oder „If it fits your macros“,) zumindest teilweise auf dem Prinzip der Kaloriengleichheit. Iss‘ einfach nur X Kalorien am Tag, und du nimmst ab. Egal, ob du diese Kalorienanzahl mit einer Tafel Schokolade oder 5kg Gemüse zu dir nimmst.

Die reine Fokussierung auf Kalorien kann aber sogar gesundheitsschädlich sein, nämlich dann, wenn man nur auf die Kalorienanzahl  und nicht auf den Nährstoffgehalt der aufgenommenen Nahrung achtet. Die ausreichende Versorgung des Körpers mit Nährstoffen (Vitaminen, Mineralien, Phytonährstoffen und Ballaststoffen) ist essentiell für Gesundheit und gutes Aussehen. Das meint auch Dr. Mark Hyman. Der amerikanische Arzt und Leiter das Clinic Center for Functional Medicine in Cleveland lehnt das Kalorienzählen als Ernährungskonzept aus diesem Grund rigoros ab:

In einer Studie, die in 154 Ländern durchgeführt wurde, betrachtete man den Zusammenhang von Kalorien, Zucker und Diabetes. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Erhöhung der täglichen Kalorienzufuhr um 150 Kalorien das Diabetesrisiko in der Bevölkerung kaum erhöhte, aber wenn diese 150 Kalorien aus Softdrinks kamen, stieg das Diabetesrisiko um 700 Prozent.“

Die Vernachlässigung der Nährstoffdichte ist nicht die einzige Schwachstelle des Kalorienzähl-Konzeptes, denn Kalorien aus unterschiedlichen Lebensmitteln werden außerdem auch völlig unterschiedlich verstoffwechselt. Die bloße Angabe der Kalorien eines Lebensmittels bleibt demnach eher theoretisch, und ist daher nur sehr begrenzt für unsere individuellen Abnehmziele anwendbar.

Dr. Mark Hyman sagt dazu:

„Das erste Gesetz der Thermodynamik besagt, dass die Energie eines abgeschlossenen Systems konstant ist. Mit anderen Worten, in einem Labor oder „abgeschlossenen System“ sind 1.000 Kalorien Brokkoli und 1.000 Kalorien Soda tatsächlich dasselbe – und bei ihrer Verbrennung würde entsprechend tatsächlich die gleiche Menge an Energie freigesetzt  werden. Aber sorry, das Gesetz der Thermodynamik gilt nicht für lebende, atmende, verdauende Organismen. DU bist kein „abgeschlossenes System“ – wenn du also isst, geht die Gleichung nicht mehr auf. Die Nahrung interagiert mit deiner Biologie, einem komplexen adaptiven System, das jeden Bissen sofort umwandelt.“

Unserer Meinung nach muss sehr viel mehr berücksichtigt werden als nur die reine Kalorienanzahl. Aber auch wenn diese nur die halbe Wahrheit ist, ganz außer Acht lassen sollte man sie trotzdem nicht. Wichtig ist, sich über die folgenden Punkte im Klaren zu sein:

  1. Es reicht nicht, nur „clean“ zu essen. Auch das kann dick machen, wenn viel mehr gegessen wird. als der Körper eigentlich benötigt.
  2. Kalorienzählen ist mit Vorsicht zu genießen. Das Kalorienziel berücksichtigt nicht die Nährstoffdichte, und damit den gesundheitlichen Vorteil, einzelner Nahrungsmittel. Außerdem werden nicht immer alle potenziellen Kalorien eines Lebensmittels aufgenommen, denn unser Stoffwechsel verkompliziert die Rechnung.

Wir empfehlen eine gesunde Mischung: eine ausgewogene Ernährung mit 80 Prozent „cleanen“, also möglichst natürlichen und unbehandelten Lebensmitteln und 20 Prozent „comfort food“ (80/20-Regel). D.h. genussvollen Lebensmittel, die glücklich machen, aber nicht unbedingt als gesund gelten. Trotzdem sollte man sein tägliches Kalorienziel immer im Auge behalten, um nicht Gefahr zu laufen, meilenweit darüber hinauszuschiessen.

Eine wichtige Rolle spielt auch die mentale Komponente: Beim Thema Ernährung setzen wir uns heute nur allzu gerne unter Druck. Die ununterbrochene Beschäftigung mit dem (gesunden) Essen oder das permanente Denken in Kalorien ist manchmal eher hinderlich und kann sogar krankhaft werden (z.B. Orthorexia nervosa) oder zu ernsthaften Essstörungen führen. Eine gewisse Entspanntheit und maßvolle Leichtigkeit im Umgang mit Nahrung ist aus unserer Sicht jedenfalls sehr viel gesünder und schafft mehr Lebensqualität als der ständige Kampf gegen Kalorien und den eigenen Körper.

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